Moria

und die Berichterstattung

Moria. Wirft man einen Blick auf dieses Camp, so wünscht man sich, dass es erst gar nicht errichtet worden wäre. Dort, wo Deutsche Urlaub machen, ein Luxusgut, werden Menschenrechte mit den Füßen getreten. Es ist verständlich, das Bedürfnis nach Verdrängung zu haben. Ähnlich wie die europäische und deutsche Politik es die letzten fünf Jahre zeigte. Fünf Jahre, in welchen Europa Probleme mit der Überwältigung des Flüchtlingsproblems hat. Fünf Jahre, in welchen Europa enormes Versagen durch Nicht-handeln aufwies. Die meines Erachtens nach falsche Art der Berichterstattung der Presse und das Versagen der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik wird in dem nun folgenden Kommentar aufgegriffen.Immer wieder hörte man von Moria in den Medien. Sei es in der klassischen Presse oder in sozialen Netzwerken. Es wurde über die katastrophalen Verhältnisse vor Ort berichtet. Von einem Ort, der einst ein Paradebeispiel der funktionierenden europäischen Politik und dessen Verhältnisse ins Ausland, unter anderem zu der Türkei, sein sollte. Das ursprüngliche Ziel war es, die Anzahl der auf europäisches Festland treffenden Flüchtigen durch stärkere Grenzkontrollen seitens der Türkei zu minimieren. Dafür zahlte die Europäische Union der Türkei bis 2018 sechs Milliarden Euro. So sollten in Moria auf Lesbos durch ein schnelles Asylprüfverfahren die Flüchtigen eine schnelle Aufnahme in Europa oder eine schnelle Abschiebung und eine damit verbundene Rückkehr in die Türkei erhalten. Für jede/n abgeschobenen Flüchtige/n sollte ein/e weiter/e überprüft werden. Dieser Plan schließt somit einen langen Aufenthalt von Migranten aus. Doch wie so oft war es nur ein Plan und es mangelte an der Umsetzung. Letztendlich wurden die Menschen weder auf das europäische Festland weitergeleitet, noch zurück in die Türkei geschickt. Oft zeigte sich sogar, dass mehr Menschen zurückgeschickt als neu geprüft wurden. Dies summierte sich über die Jahre, bis über 12.000 Menschen bei einer Kapazität von 2.000 bis 3.000 Moria ihre Unterkunft nennen sollten. Eine Unterkunft ohne sanitäre Einrichtungen, mit mangelnder Verpflegung und völlig zugemüllt. Eine Unterkunft ohne Aussicht auf den Start des erhofften neuen Lebens. Das ist nicht schockierend, es ist menschenverachtend. Das ist auch nicht fern und unbedeutend, es ist mitten in Europa, einem reichen und stolzen Kontinent. Wird über die Misserfolge der Politik berichtet, so ist festzustellen, dass die Neutralität der Medien von damals extrem an Relevanz verloren hat. Auf den ersten Blick ist das gut, so wird der Prozess der persönlichen Meinungsbildung angeregt und wesentliche Diskussionen entfacht. Doch werden dadurch ebenfalls Ausdrucksweisen und Begrifflichkeiten verallgemeinert und generalisiert, dessen wortwörtliche Bedeutung unterbewusstes rechtes Gedankengut fördern kann. So wird oft von „Flüchtlingswellen“, einer „Flüchtlingsflut“ und einer „Masse“ an Flüchtigen gesprochen, statt konkrete Zahlen zu nennen. Selbstverständlich dient dies der Dramatisierung, jedoch werden durch den Begriff „Flüchtlingswelle“ große Fluchtbewegungen mit unbeherrschbaren Naturgewalten gleichgesetzt. Außerdem werden diese Fluchtbewegungen mithilfe des Wortes „Masse“ beschrieben, wodurch die einzelnen Flüchtigen ihre Individualität verlieren und anonymisiert werden. Sie werden lediglich auf ihre Fluchterfahrung reduziert und ihr gesamtes Sein wird darüber definiert. Dies könnte man weiterführen, unter anderem wenn man von einer „Obergrenze“ an Flüchtigen spricht, die man aufnimmt. Dieser Begriff könnte implizieren, dass das Land irgendwann voll sein könne oder gar überlaufe. Durch diese sprachlichen Bilder wird indirekt die Notwendigkeit der Eindämmung der „Bedrohung“ impliziert, beispielsweise durch die Schließung der Grenzen. Doch hat Deutschland eine wirkliche Obergrenze, an der es voll ist? Nein. Würde Deutschland alle Flüchtigen Morias aufnehmen, so wäre gerade ein Bruchteil der leer stehenden Wohnungen weg. Die Rede ist von weniger als einem Prozent dieser. Doch das ist auch nicht das Ziel. Nicht Deutschland alleine muss Courage zeigen, aber Europa muss es vereint und gestärkt. Als kleine/r unbedeutende/r Bürger/in können wir nichts an der Situation ändern. Doch was wir machen können - nein, nicht nur können, sondern sollten ist, Präsenz zu zeigen und sich nicht ruhig im Hintergrund zu halten und unsere persönliche Einstellung zu überdenken. Auch hier am Gymnasium Korschenbroich ist das möglich, denn unsere Schülerschaft hat es geschafft, die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ zu erhalten. Denn was man nicht vergessen darf ist, dass dieser politische Streit auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen wird. Seit Jahren wird nach einer Lösung gesucht. Sie ist nicht da. Das Elend hingegen schon. Keinen Spalt breit der Unterdrückung.

Maximilian Simeth

*Quelle des Bildes: www.schule-ohne-rassismus.org, Folgend ein Button: